PCM-Gardinen: Vorhänge, die kühlen und wärmen – unsichtbare Klimaregulierung am Fenster
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PCM-Gardinen: Vorhänge, die kühlen und wärmen – unsichtbare Klimaregulierung am Fenster
PCM-Gardinen: Vorhänge, die kühlen und wärmen – unsichtbare Klimaregulierung am Fenster
Warum jetzt? Hitzesommer, steigende Energiekosten, noch keine Klimaanlage
Fenster sind die größten thermischen Schwachstellen eines Raumes: Bis zu 40 % der sommerlichen Wärme dringt hier ein, im Winter entweicht hier am meisten Energie. Was, wenn Vorhänge nicht nur verdunkeln, sondern Hitze speichern oder abgeben könnten? Genau das leisten PCM-Gardinen – Textilien mit Phasenwechselmaterial (Phase Change Material). Sie puffern Temperaturschwankungen, indem sie bei einer definierten Temperatur Wärme aufnehmen (schmelzen) und später wieder abgeben (erstarren). Ohne Ventilatorgeräusch, ohne sichtbare Geräte.
Aufbau & Kennzahlen eines PCM-Vorhangs
- Frontstoff: Dekostoff nach Wahl (Leinen, Trevira CS, Baumwolle), Lichtdurchlässigkeit 5–40 %
- PCM-Interliner: Mikrokapseln aus Bio-Paraffin oder Salzhydraten im Vlies, Flächenmasse 200–400 g m-2
- Rückseite: Thermische Barriere (z. B. leichter Thermo-Satin) zur Reduktion der Konvektion an der Glasfläche
- Latentwärme: 80–160 kJ kg-1; bei 300 g m-2 ≈ 24–48 kJ m-2 nutzbar
- Phasenwechsel-Temperatur: Sommerkomfort 24–26 °C, Schlafräume 22–24 °C, Übergangszeit 20–22 °C
- Brandschutz: Optional schwer entflammbar (B1) durch geeignete Trägerstoffe
Wie funktioniert das in der Praxis?
PCM-Gardinen arbeiten passiv und zyklisch:
- Tagsüber (Sommer): Steigt die Raumtemperatur über die PCM-Schwelle (z. B. 25 °C), schmilzt das Material und nimmt Wärme auf – die Raumspitze flacht ab.
- Abends/Nacht: Fällt die Temperatur darunter, erstarrt das PCM und gibt Wärme an den Raum ab.
- Winter: Bei Sonne erwärmt sich die Glaszone; PCM speichert die Strahlungswärme und verlängert die Nachwärme am Abend.
Messbare Effekte in Leichtbauwohnungen und Bestandsbauten:
- Peak-Shaving: Raumspitzen sinken typischerweise um 1–3 K (je nach Fensterfläche, PCM-Masse, Lüftung).
- Komfort: Reduzierte Strahlungsasymmetrie am Fenster, weniger „Hitzestau“ am Schreibtisch oder Esstisch.
- Energie: Bis zu 10 % weniger Kühlbedarf in kritischen Räumen; im Winter bis zu 5 % Heizlastglättung (an Süd- und Westfenstern).
Wo machen PCM-Gardinen besonders Sinn?
Küche & Essbereich
Herd und Backofen erzeugen Lastspitzen. PCM fängt diese kurzzeitig ab – ideal bei Südwestfenstern. Tipp: Feuchtegeführtes Lüften nach dem Kochen, damit das PCM nachts sicher auskristallisiert.
Schlafzimmer
Für erholsamen Schlaf ist Temperaturstabilität entscheidend. Wählen Sie PCM mit 22–24 °C Phasenwechselpunkt und dichten Sie Fugen am Kastenprofil ab, um Zugluft zu verhindern.
Homeoffice
Gegen Nachmittags-Hitze an Westfenstern: PCM + lichtlenkende Stores kombinieren. So bleiben Monitorflächen blendfrei, die Luft ruhiger.
Fallstudie: 48 m² Altbau, Südfassade, 2,4 m hohe Fenster
- Set-up: Zweilagiger Vorhang pro Fenster (Frontstoff 200 g m-2, PCM-Interliner 320 g m-2 bei 25 °C, Rücklage 120 g m-2), Deckenlaufschiene, bodenlang, 6 cm Luft zur Wand.
- Sommerwoche (Außen max. 32 °C): Peak Raumtemperatur ohne PCM 29,1 °C → mit PCM 26,9 °C (Fenster zu, morgens gelüftet).
- IR-Thermografie: Fensterzone mittags 34,2 °C → Vorhangfläche 29,8 °C; Strahlungsasymmetrie spürbar reduziert.
- Energie: Ventilatorbetrieb statt mobiler AC: 0,3 kWh Tag statt 2,1 kWh Tag; subjektiv gleiche Behaglichkeit.
DIY – Bestehende Vorhänge mit PCM-Interliner nachrüsten
Materialliste
- PCM-Interliner (Vliesbahn, 150–300 cm Breite), Phasenwechselpunkt nach Raum wählen
- Saumband (bügelbar) oder Nähgarn & Universalnadel 90
- Druckknopfband oder Klettband (um den Interliner abnehmbar zu machen)
- Beschwerungsband (40–60 g m-1) für sauberen Fall
- Maßband, Stoffschere, Bügeleisen, Stecknadeln
Schritt-für-Schritt
- Vorhänge abhängen, messen: Breite x Höhe + 10 cm Saumzugaben.
- Interliner zuschneiden; unten Beschwerungsband einlegen und doppelt säumen.
- Oben Druckknopf- oder Klettband annähen (abnehmbar für die Wäsche).
- Bandgegenstück an den vorhandenen Vorhang aufnähen; Interliner einhängen.
- Vorhangschiene auf deckennah setzen, Seiten sorgfältig überlappen (Licht-/Luftspalt minimieren).
Bauzeit: ca. 60–90 min pro Fensterflügel, Materialkosten: 35–65 € m-2 Interliner.
Montage, Sicherheit & Pflege
- Abstand zur heißen Heizfläche im Winter ≥ 10 cm; nicht direkt an Konvektoren anliegen lassen.
- Waschen bei 30 °C im Schonprogramm (oder chemische Reinigung P), nicht im Trockner – Mikrokapseln mögen keine hohe Trommelhitze.
- Emissionen: Auf OEKO-TEX oder vergleichbare Zertifikate achten, VOC-arm.
- Feuchte: Kondensat am Glas regelmässig abwischen; nachts lüften, damit das PCM rückkristallisieren kann.
Smart Home: Automationen, die PCM unterstützen
- Szenario „Kühlen ohne AC“: Wenn Außentemperatur < Raumtemperatur und Luftfeuchte < 65 %, Fenster kippen + Vorhang teilweise öffnen, bis Raum 23–24 °C erreicht.
- Sonnenstand: Helligkeitssensor fährt außenliegende Beschattung herunter, PCM bleibt innen geschlossen – Doppelwirkung.
- Taupunkt-Logik: Bei drohendem Kondensat am Glas (Taupunkt < Glasscheibentemp.), kurz lüften, Vorhang 5 cm abstehen lassen.
Pro / Contra kurzgefasst
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Komfort | Glättet Temperaturschweankungen um 1–3 K | Wirkung abhängig von Lüftung und Glasfläche |
| Energie | Senkt Kühlspitzen, reduziert Heiznachlauf | Kein Ersatz für gute Außenbeschattung |
| Design | Unsichtbar im Textil, frei kombinierbar | Etwas höheres Flächengewicht, braucht gute Schiene |
| Pflege | Abnehmbarer Interliner erleichtert Reinigung | Trockner ungeeignet, Schonwaschgang nötig |
| Kosten | DIY-fähig, modulare Nachrüstung | Interliner teurer als Standardfutter |
Kaufberatung: So treffen Sie die richtige Wahl
- Phasenwechselpunkt passend zum Raum wählen (Schlaf 22–24 °C, Wohnen 24–26 °C).
- Flächenmasse: 250–350 g m-2 als Allround; mehr Masse = längere Pufferzeit.
- Schichtaufbau: Bei Südfenstern dreilagig (Dekor + PCM + Thermo-Rücklage); bei Nordfenstern oft zweilagig ausreichend.
- Zertifikate: OEKO-TEX, Brandschutzklasse des Gesamtsystems beachten (Objekteinsatz).
- Kompatibilität: Laufruhige Schiene, Traglast ≥ 6 kg pro Laufmeter bei dicken Sets.
Nachhaltigkeit & Ökobilanz
- Bio-basierte PCM (z. B. aus Rapsketten) bevorzugen; mikroskopische Kapseln sind langfristig stabil.
- Energieamortisation: Je nach Nutzung oft in einer Saison, da Kühlspitzen deutlich sinken.
- Lebensdauer: > 10 Jahre bei korrekter Pflege; Interliner austauschbar – Vorhang bleibt erhalten.
Gestaltung: Material, Farbe, Faltenbild
- Leinenmischungen für wohnliche Haptik; technische Trevira-Stoffe für Objekt und Bad.
- Warme Töne im Norden, kühle Töne im Süden – unterstützt die subjektive Temperaturwahrnehmung.
- Wandnah montieren (6–10 cm) und mit Seitendekos Licht- und Luftspalte reduzieren.
Fazit: Kleiner Eingriff, großer Effekt
PCM-Gardinen sind ein niedrigschwelliger Hebel für spürbar ausgeglichene Raumtemperaturen – ideal für Mietwohnungen, Homeoffice-Nischen und Schlafräume. Starten Sie mit dem heißesten Fenster, wählen Sie den Phasenwechselpunkt passend zum Nutzungsprofil und kombinieren Sie PCM + Außenverschattung + cleveres Lüften. So entsteht Komfort ohne Kompressorlärm – und die nächste Hitzewelle verliert ihren Schrecken.
CTA: Messen Sie diese Woche Ihre Raumspitzen (Max-Thermometer oder Smart-Sensor). Liegen sie ≥ 26 °C, testen Sie einen PCM-Interliner an Ihrem sonnigsten Fenster – der Unterschied ist schnell spürbar.
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