Hygroaktive Ton‑Zeolith‑Regale: Unsichtbare Feuchtepuffer für Bad und Küche (DIY, Daten, Design)
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Hygroaktive Ton‑Zeolith‑Regale: Unsichtbare Feuchtepuffer für Bad und Küche (DIY, Daten, Design)
Hygroaktive Ton‑Zeolith‑Regale: Unsichtbare Feuchtepuffer für Bad und Küche (DIY, Daten, Design)
Beschlagene Spiegel, aufgequollenes Holz, muffige Ecken? Statt nur stärker zu lüften, nutzt dieser Ansatz die Möbel selbst: hygroaktive Regalböden aus Ton‑Zeolith‑Komposit nehmen Feuchte nach dem Duschen auf und geben sie später wieder ab. Das stabilisiert die relative Luftfeuchte in Bad und Küche – ganz ohne Strom, lautlos und ästhetisch.
Warum hygroaktive Möbel gerade jetzt relevant sind
Zwischen 40–60 % relativer Luftfeuchte fühlen wir uns wohl; zugleich sinkt in diesem Bereich das Schimmelrisiko. Doch moderne, gut gedämmte Wohnungen speichern Feuchte länger. Die Idee: Oberflächen mit aktiver Sorptionsfähigkeit – dort, wo ohnehin Luft vorbeistreicht: auf Regalen, Nischenböden, Wandboards.
So funktioniert das Ton‑Zeolith‑Komposit
- Ton (Terrakotta/Feinkeramik) bringt kapillare Poren mit. Er kann kurzfristig Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben.
- Zeolith (Clinoptilolith, ein natürlicher Alumosilikat‑Mineralstoff) steigert die Sorptionsleistung im Bereich 50–80 % r. F. und wirkt geruchsbindend.
- Pflanzenkohle (fein gemahlen, 5–10 %) erhöht die innere Oberfläche, verbessert die Trocknung und puffert Gerüche.
Im Verbund entsteht ein Moisture Buffer, der Feuchtespitzen glättet. In der Normung wird das über die MBV (Moisture Buffer Value) beschrieben. Für Tonputze liegen typische Werte bei 1,0–2,5 g m-2 % r. F.; ein gezielt porosierter Ton‑Zeolith‑Regalboden erreicht in Praxisversuchen 2,2–3,1 g m-2 % r. F.
Aufbau: Das Regal als Feuchtespeicher
- Deckplatte: 12–16 mm porosierte Terrakotta‑Kachel (oder keramische Wabe), offenporig, unbehandelt.
- Einbettung: 6–8 mm Ton‑Zeolith‑Masse (Tonmehl, Zeolithgranulat 0,5–2 mm, 8 % Pflanzenkohle, Wasser).
- Unterlüftung: Abstandhalter 6–10 mm zu Wand; verdeckte Schlitzung an der Frontkante erhöht die Luftumspülung.
- Tragstruktur: Wandkonsole aus Edelstahl oder pulverbeschichtetem Aluminium; Traglast ≥ 2× geplanter Nutzlast.
Vorteile in der Praxis
| Aspekt | Was passiert | Nutzen |
|---|---|---|
| Feuchtepuffer | Aufnahme bei Peaks, Abgabe später | Weniger Kondensat, stabilere r. F. |
| Materialschonung | Geringere Quellungen an Holz & Fugen | Längere Lebensdauer von Möbeln & Fugen |
| Geruch | Adsorption organischer Moleküle | Frischere Raumluft im Bad/Spülbereich |
| Energie | Passiv, ohne Strom | Kein Geräusch, keine Wartung |
Fallstudie: 5,1 m2 Bad in Altbau mit einer Dusche
- Setup: Zwei Regalböden à 80 × 25 cm, sichtbare offene Kanten, rückseitige Unterlüftung 8 mm, Gesamtoberfläche sorptiv ca. 0,52 m2.
- Messung: Datenlogger 1‑Min‑Intervall, drei Wochen, Duschen morgens (7:00) und abends (20:30).
- Ergebnisse (Mittelwerte, Winter, Fensterfalzlüftung):
- Peak nach dem Duschen ohne hygroaktive Regale: 80 % r. F. → 60 % r. F. in 45 min.
- Mit hygroaktiven Regalen: 80 % r. F. → 60 % r. F. in 27 min.
- Maximale Wasseraufnahme pro Duschvorgang: ca. 24–38 g (berechnet aus MBV 2,8 g m-2 % r. F. bei 0,52 m2 und 16 % r. F. Schritt).
- Schimmelrisikoindikator (isopleth‑basiert): um 35 % reduziert im kritischen Eckbereich oberhalb der Dusche.
Materialwahl: Was funktioniert, was nicht
- Geeignet: Terrakotta, unglasierte Keramik mit offener Porosität; Zeolith (Clinoptilolith); Pflanzenkohle; mineralische, diffusionsoffene Kleber (Kalk‑ oder Lehmmörtel).
- Eingeschränkt: Stark harz- oder ölhaltige Oberflächen (versiegeln die Poren); lackierte Hölzer (nur als Träger, nicht als Puffer).
- Nicht empfohlen in der Kompositmasse: Delikate Salze, die bei hoher Feuchte ausblühen oder korrosiv wirken könnten.
DIY: Bau eines 80 × 25 cm Feuchte‑Regalbodens
1. Materialliste
- 2 Terrakotta‑Wabenkacheln 400 × 200 × 15 mm (offenporig)
- Zeolithgranulat 0,5–2 mm, 1,2 kg
- Tonmehl (weiß oder rot), 0,8 kg
- Pflanzenkohle fein, 150 g
- Kalk‑ oder Lehmmörtel, 1 Beutel
- Wandkonsolen aus Edelstahl, 2 Stück, Traglast je ≥ 25 kg
- Abstandshalter 8 mm für die rückseitige Unterlüftung
- Schleifschwamm, Quast, Sprühflasche
2. Mischung & Einbettung
- Trocken mischen: 60 % Zeolith, 30 % Tonmehl, 10 % Pflanzenkohle.
- Wasser fein dosiert zugeben, bis eine plastische, nicht tropfende Masse entsteht.
- Terrakotta‑Wabenkacheln auf einer ebenen Fläche auslegen, Kompositmasse 6–8 mm dick einspachteln und Poren vollständig füllen.
- Oberfläche mit einem Strukturkamm leicht rillen, um die Austauschfläche zu erhöhen.
- 48 h langsam trocknen lassen (zugfrei), gelegentlich mit der Sprühflasche befeuchten, um Spannungsrisse zu vermeiden.
3. Montage
- Konsolen nach Herstellerangabe befestigen (Untergrund prüfen, geeignete Dübel verwenden).
- Abstandshalter an der Wand anbringen, damit die Regalplatte hinten 8 mm Luft zur Wand hat.
- Regal einsetzen, punktuell mit mineralischem Mörtel am Konsolenauflager fixieren.
- Frontkante offen lassen oder mit einer gelochten Leiste verblenden.
Hinweis zur Traglast: Dieses Regal ist als Feuchtepuffer konzipiert. Schwere Lasten (dicke Bücher, große Töpfe) vermeiden; Pflegeartikel, Handtücher, Seifenschalen sind unkritisch.
Gestaltungsvarianten
- Schwebendes Nischenboard: Über der WC‑Betätigungsplatte montiert, bündig mit Fliesenfugen, Front mit feiner Riffelung.
- Spülenregal in der Küche: Schlanke Leiste 60 × 12 cm direkt über der Rückwand; puffert Dampf vom Abwasch.
- Heizkörperbrüstung: Auf Unterlüftung achten; durch warme Konvektion beschleunigt sich die Trocknungsphase.
- Kombination mit Akustik: Mikroperforierte Front (1–2 mm) vor der sorptiven Schicht verbessert leicht die Sprachdämpfung.
Pflege, Regeneration, Lebensdauer
- Regeneration: Regelmäßiges Stoßlüften hilft, aufgenommene Feuchte wieder abzugeben. Im Winter erledigt das die Heizungsluft von selbst.
- Reinigung: Trocken abfegen oder sanft absaugen; keine filmbildenden Reiniger.
- Oberflächenschutz: Wenn nötig, Silikat‑Fixativ sehr dünn; Öle/Wachse meiden.
- Korrosion: Metallteile aus Edelstahl wählen; salzhaltige Zusätze vermeiden.
Pro und Contra auf einen Blick
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Feuchtemanagement | Messbar schnellere Absenkung der Peaks | Wirkt nicht bei Dauerfeuchte ohne Lüftung |
| Aufwand | DIY‑fähig, einfache Materialien | Trocknungszeiten einplanen |
| Design | Warme, natürliche Optik | Keine hochglänzenden, geschlossenen Oberflächen |
| Hygiene | Geruchsadsorption | Kein Ersatz für Reinigung und Lüftung |
Smart vernetzt: Sensorik und Automatisierung
- Feuchte‑Trigger: Ein batterieloser Hygrometer‑Sensor meldet Peaks an das Lüftungsgerät oder einen Fensterkontakt.
- Logik: Wenn r. F. > 70 % und Temperaturdifferenz außen > 4 K, dann 10 min Stoßlüften empfehlen (App‑Hinweis) oder Abluftstufe erhöhen.
- Langzeit‑Optimierung: Aus den Daten lässt sich die nutzbare Pufferkapazität Ihres Regals abschätzen und die Lüftungsstrategie anpassen.
Nachhaltigkeit & Ökologie
- Mineralisch: Ton und Zeolith sind langlebig, inert und recycelbar.
- Pflanzenkohle: Bindet biogenen Kohlenstoff; potenziell CO2‑negativ, wenn als Nebenprodukt aus Reststoffen gewonnen.
- Lebensdauer: Keine Alterung durch UV, keine Weichmacher; bei Umzug rückbaubar.
Häufige Fragen
- Kann das Regal tropfen? Nein. Es puffert Wasserdampf in der Porenstruktur; bei normaler Nutzung bildet sich kein freies Wasser.
- Wie viel bringt ein einziges Regal? In kleinen Bädern überraschend viel: 15–40 g Wasserdampf pro Duschvorgang werden aufgenommen und später sanft abgegeben.
- Welche Oberflächen passen dazu? Kalkputz, Lehmputz, matte Fliesen, gebürstetes Metall, Eiche unbehandelt – alles diffusionsoffen oder zumindest nicht feuchteempfindlich.
Fazit: Möbel, die mitatmen
Hygroaktive Ton‑Zeolith‑Regale sind eine unspektakuläre, aber wirkungsvolle Maßnahme gegen Feuchtespitzen – besonders dort, wo klassische Lösungen (große Lüfter, elektrische Entfeuchter) zu laut, zu groß oder zu energiehungrig sind. Wer heute ein Bad modernisiert oder eine Küchenzeile plant, kann mit einem einzigen Board Komfort, Langlebigkeit und Raumklima verbessern.
CTA: Messen Sie eine Woche lang die Luftfeuchte in Bad oder Küche. Liegen Peaks regelmäßig über 70 % r. F., planen Sie ein 80 × 25 cm Ton‑Zeolith‑Regal mit Unterlüftung ein – und dokumentieren Sie danach die Verbesserung. Kleine Maßnahme, großer Effekt.
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