Himmelskühlende Vorhänge und PCM-Rollos: Passive Sommerfrische ohne Klimaanlage
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Himmelskühlende Vorhänge und PCM-Rollos: Passive Sommerfrische ohne Klimaanlage
Himmelskühlende Vorhänge und PCM-Rollos: Passive Sommerfrische ohne Klimaanlage
Hitzewellen nehmen zu und jede Kilowattstunde zählt. Doch muss es wirklich eine laute Klimaanlage sein? Eine kaum bekannte Kombination aus himmelskühlenden Stoffen (radiative cooling) und Phasenwechsel-Rollos (PCM) kann Innenräume spürbar kühlen – leise, stromsparend und wohnlich. Wie funktioniert das, wo liegen die Grenzen, und wie setzt man es stilvoll um?
Was bedeutet „himmelskühlend“ – und warum ist Glas die Hürde?
Radiative Cooling nutzt das Atmosphärenfenster (8–13 µm): Oberflächen mit hoher IR-Emissivität senden Wärmestrahlung direkt ins Weltall ab, wodurch sie unter Umgebungstemperatur abkühlen können. Das ist kein Science-Fiction, sondern Physik. Aber: Standard-Fensterglas blockt diese Wellenlängen weitgehend. Rein innen aufgehängte Stoffe können daher nicht „in den Himmel abstrahlen“ – sie wirken primär als Reflexions- und Hitzepuffer. Die echte Himmelskühlung passiert außen (Markisen, Außenvorhänge, Screens) oder bei offenem Fenster.
Praktische Konsequenz
- Innenraum-Lösung: PCM-Rollos + sehr reflektierende Stoffe → dämpfen Hitzespitzen.
- Außenlösung: radiativ emittierende Markise/Screen → zusätzliche Abkühlung unter freiem Himmel.
- Hybrid: Nachts Fenster öffnen, PCM „aufladen“, tagsüber geschlossen halten.
Materialaufbau: Stoffe, die kühlen – Rollos, die Wärme „speichern“
1) Himmelskühlender Außenstoff
- Oberschicht: hochsolare Reflexion (Rsol ≥ 0,9) durch BaSO4– oder TiO2-gefüllte Polymere (weiß, leicht strukturiert).
- IR-Emissionsschicht: PTFE-/PE-basiertes Laminat mit ε (8–13 µm) ≥ 0,95.
- Trägergewebe: UV-stabiles Glasfaser- oder Polyester-Mesh (winddurchlässig, langlebig).
2) PCM-Rollo für innen
- Deckstoff: diffusionsoffes, helles Textil (Blendfreiheit, wohnliche Haptik).
- PCM-Lage: Mikrokapseln (Paraffin/Salzhydrat), Schmelzpunkt 23–26 °C, Latentwärme 120–200 kJ/kg.
- Rückseite (optional): Low-E-Folie zur Reduktion langwelliger Rückstrahlung in den Raum.
Leistungsdaten (realistische Orientierungswerte)
| Eigenschaft | Typischer Wert | Nutzen |
|---|---|---|
| Solarreflexion Außenstoff | ≥ 90 % | Deutliche Reduktion der solaren Last |
| IR-Emissivität Außenstoff | ≥ 0,95 | Außen messbare Oberflächenabkühlung |
| PCM-Kapazität (pro m²) | 60–100 Wh | „Puffert“ Hitzespitzen über mehrere Stunden |
| Umluft-Temperaturdämpfung | 1,0–2,5 K | Spürbar kühler, v. a. in kleinen Räumen |
| Schalleindruck | leicht dämpfend | Angenehmere Raumakustik |
Fallstudie: Südfenster im Altbau (60 m², Berlin, 3. OG)
- Ausgangslage: Zwei 1,2 × 1,4 m Fenster, keine Außenverschattung, Dach darüber. Max. Raumtemperatur an Hitzetagen: 31,5 °C.
- Maßnahmen:
- Außen: himmelskühlender Screen (Rsol 0,92, ε 0,96).
- Innen: PCM-Rollos (0,6 kg PCM pro m², 24 °C Schmelzpunkt) + automatischer Fensterkontakt.
- Nachtlüftung: 23:00–06:00 Uhr, Querlüftung durch Flurfenster.
- Ergebnisse (Juli–August):
- Peak-Temperatur reduziert auf 27,8 °C (–3,7 K).
- Subjektiv „kühlere“ Strahlungstemperatur nahe Fensterzone (–1,5 K).
- Stromverbrauch: nur für Automationssteuerung < 1 kWh/Monat.
DIY – Nachtkühl-PCM-Rollo selbst bauen
Materialliste
- Rollo-Rohling 120 cm (offene Welle, Kettenzug).
- PCM-Textilbahn 120 × 180 cm (Latentwärme ≥ 150 kJ/kg, 24–26 °C).
- Deckstoff lichtdurchlässig (hell, diffusionsoffen).
- Doppelseitiges Hochleistungsband + Textilkleber (lösemittelfrei).
- Seitliche Alu-Führungsschienen (optional, gegen Konvektion).
- Magnetische Dichtprofile für Fensterlaibung (optional).
Schritt-für-Schritt
- Rollo zerlegen, PCM-Bahn auf Breite zuschneiden.
- PCM auf die Rückseite des Deckstoffs kleben, Kanten vernähen (Kettstich).
- Stoff an Wickelwelle fixieren, straff aufrollen, Kanten sauber verschließen.
- Führungsschienen montieren, Rollo ausrichten (Lot/Flucht).
- Betrieb: Nachts Fenster öffnen → PCM „friert“ ein; morgens schließen → PCM nimmt Tageswärme auf.
Bauzeit: ca. 90 min • Kosten: 140–260 € pro Fenster (Größe/Qualität abhängig).
Smart-Home-Integration (ohne Overkill)
- Sensorik: Fensterkontakt, Innen-/Außentemperatur, Helligkeit.
- Automation:
- Bei Außentemp. < Innen + trocken: Fenster motorisch kippen (Nachtlüftung).
- Bei direkter Sonne: Außen-Screen runter, Innenrollo schließen.
- Bei hoher Luftfeuchte: Lüften vermeiden, nur Verschattung aktiv.
- Standards: Matter-/Thread-fähige Aktoren, CO₂-Sensor optional für Komfort.
Design: Von Tech-Optik zu wohnlich
Technik muss nicht nach Labor aussehen. Kombinieren Sie weiße Screens außen (maximale Reflexion) mit warm getönten Innenstoffen (Sand, Greige, Leinoptik). In Altbau-Laibungen wirken schmale Aluschienen in Messing-Optik überraschend elegant. In modernen Lofts passt eine texturierte Bouclé-Oberfläche hervorragend – sie tarnt die PCM-Lage und verbessert die Akustik.
Pro / Contra kurzgefasst
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Kühlleistung | Spürbar, besonders mit Außen-Screen | Kein Ersatz für Vollklimaanlage bei Extremhitze |
| Energie | Nahezu stromlos | Automation braucht geringe Standby-Leistung |
| Komfort | Leise, zugfrei, blendfrei | Nachtlüftung erfordert Sicherheitsbewusstsein |
| Ästhetik | Vielfältige Stoffe/Looks | Außen weiß → empfindlicher gegen Verschmutzung |
| Wartung | Stoffe abwischbar | PCM-Textilien nicht heiß waschen |
Pflege, Sicherheit, Ökologie
- Pflege: Außenstoffe mit mildem Reiniger, Innenstoffe trocken ausbürsten; PCM-Textilien nur lauwarm abwischen.
- Sicherheit: Nachts nur in sicheren Lagen/durch Gitter lüften; Kettensicherung bei Kinderzimmern.
- Nachhaltigkeit: Hohe Energieeinsparung, VOC-arme Kleber wählen, recycelbare Trägergewebe bevorzugen.
Einkaufstipps
- Außenstoff-Label: Herstellerdaten zu Solarreflexion (≥ 0,85) und IR-Emissivität (≥ 0,9) anfordern.
- PCM-Datenblatt: Schmelzbereich, Latentwärme, Flächenmasse; Ziel: 0,4–0,8 kg PCM pro m².
- Konfektion: Seitliche Führung verhindert Konvektion und verbessert Wirkung um bis zu 20 %.
- Fensterdichtheit: Spaltmaße prüfen; magnetische Falzleisten reduzieren Wärmeeintrag.
Häufige Fehler – und wie man sie vermeidet
- Nur Innenrollos ohne Außenverschattung: Wirkung gering bei direkter Sonne; zumindest reflektierende Folie oder Screen außen vorsehen.
- Falscher PCM-Schmelzpunkt: Bei 20 °C „friert“ PCM in Sommernächten nicht zuverlässig; 23–26 °C ist praxistauglich.
- Keine Nachtlüftung: Ohne „Aufladung“ des PCM sinkt die Tagesleistung.
- Dunkle Innenstoffe: Absorbieren mehr; besser helle, dichte Gewebe.
Fazit: Kühl denken, wohnlich bleiben
Himmelskühlende Außenstoffe + PCM-Innenrollos sind eine stille Alternative zur Klimaanlage – besonders in Wohnungen, in denen Split-Geräte tabu sind. Wer clever kombiniert (Außen-Screen, Nachtlüftung, passender PCM-Punkt), senkt Hitzespitzen um mehrere Kelvin und gewinnt Behaglichkeit ohne Dauerbrummen. Starten Sie mit dem am stärksten besonnten Fenster – messen Sie Vorher/Nachher mit einem simplen Thermologger und erweitern Sie bei Erfolg auf weitere Räume.
CTA: Holen Sie sich Stoffmuster (außen/innen), prüfen Sie die Datenblätter und planen Sie ein Pilotfenster fürs nächste Hitzehoch.
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